La Rochelle (2016) – Im Dienste der Städtepartnerschaft

Wer meinen Blog verfolgt der weiß, dass ich im vorletzten Jahr für ein paar Stunden in unserer französischen Partnerstadt La Rochelle war und mich dort in diese wundervolle Stadt verliebt habe. Ebenfalls habe ich dort Freundschaften geknüpft, die mich zu meiner weiteren Arbeit bewegt haben. Diese weitere Arbeit will ich jetzt einfach mal in Kurzform niederschreiben.

Teil 1 Vorgeplänkel und die Reise

Ein kurzer Rückblick in das vorletzte Jahr: Nachdem ich meinen lieben Freund Frédéric (Kurz Fred) nun drei Mal innerhalb von einem Monat in drei verschiedenen Ländern getroffen hatte, wurde die Freundschaft über Facebook und Co weiter gepflegt.
Eigentlich wollte der Bürgermeister von La Rochelle in Begleitung von Fred im Februar letzten Jahres nach Lübeck kommen, um über die Rolle La Rochelles in der Hanse und über die Städtepartnerschaften zu sprechen. Ich bemühte mich nach Kräften dabei sein zu dürfen, leider wurde aus dem Termin nichts, da der Bürgermeister von La Rochelle kurzfristig erkrankte. Nun fassten wir den Hansetag in Bergen im Juni ins Auge. Leider konnten Fred und seine Frau Fabienne dort nicht hin und so musste ich mir etwas einfallen lassen. Anfang des letzten Jahres war ich bei LübeckPartner e.V. Mitglied geworden. Einem Verein der sich um die Städtepartnerschaften kümmerte, da die Stadt hier nicht sonderlich viel unternahm (u.a. weil einfach kaum Geld im Haushalt dafür eingestellt ist). Während des Hansetages führte ich trotzdem ein paar Gespräche mit Vertretern La Rochelles und entwickelte nach dem Hansetag auf Anregung aus dem Hansebüro ein kleines Konzept für eine Veranstaltung La Rochelles auf Ebene des Hansetags. Darum führte ich des Öfteren Gespräche mit Astrid, einer mittlerweile sehr guten Freundin und stellvertretenden Vorsitzenden des Vereines LübeckPartner. Sie war es auch, die mich zu weiteren Überlegungen antrieb. Die Städtepartnerschaft zwischen La Rochelle und Lübeck wird in 2018 genau 30 Jahre und dies sollte früh genug geplant werden. Ebenfalls sollte die Städtepartnerschaft wieder mit Leben gefüllt werden, da sich beide Städte am 21. Mai 1988 gegenseitig verpflichtet haben sich zu besuchen und auch Veranstaltungen auszurichten. Ich erstellte also ein Kurzkonzept und holte mir ein paar Informationen. Mit Fred vereinbarte ich einen Zeitraum, in dem ich nach La Rochelle reisen würde. Dies war vom 19-31.August. Astrid half mir ein paar Präsente aufzutreiben, ein großer Dank an Niederegger, das Europäische Hansemuseum und der LTM für die Spenden. Unser BGM Saxe schrieb einen Brief an seinen Amtskollegen Jean-François Fountaine und dieser antwortete prompt. Fred und Elaine (die zuständige Mitarbeiterin für Städtepartnerschaften im Rathaus La Rochelle) leisteten echt wunderbare Arbeit, sodass ich die zwölf Tage KOSTENLOS in einer städtischen Herberge für Künstler direkt in der Haupt-Restaurantstraße, der Rue Saint-Jean du Pérot , im Herzen der Stadt wohnen durfte. LübeckPartner – die sich ausschließlich über Spenden und Mitgliedsbeiträge finanzieren- beteiligten sich mit sagenhaften 250€ (DANKE DANKE DANKE), sodass der Flug auf jeden Fall raus war. Astrid stand mir wie immer mit Rat und Tat zur Seite und half auch beim Kontakt mit unserem französischen Pendant der Association Franco-Allemande de La Rochelle (hier kurz AFALR).

Kurz vor dem Flug kam doch eine ganz schöne Portion an Aufregung hoch, immerhin war dies mein erster „Urlaub“ allein, dann noch in einem fremden Land mit einer Sprache, die ich mehr schlecht als recht beherrschte. Ich hatte ein halbes Jahr Französisch über Babbel im Internet gelernt, aber es reichte. Am Tag vor meinem Flug fuhr ich mit meinem schweren Koffer (Die Geschenke und ein paar Sachen hatte ich die Woche zuvor schon zu Fred geschickt) nach Hamburg, wo ich mir ein Zimmer in einem am Airport gelegenen Hotel gebucht hatte. (Das Zimmer war gut, nur gab es keinen Fahrstuhl und ich musste mit meinem ein paar Wochen zuvor wieder eingerenkten Rücken den schweren Koffer die Treppen hoch schleppen).

Um 04 Uhr ging es los gen Flughafen und ich war froh, am Vortag schon online eingecheckt zu haben, sodass ich nur mein Gepäck aufgeben musste. Die Aufregung stieg noch weiter, je näher es an den Abflug ging. Würde alles klappen?
Es klappte. In Paris landete ich pünktlich, holte mein Gepäck und platzierte mich an einen Monitor in der Wartehalle des flughafeninternen Bahnhofes. Nachdem ich auch mal kapiert hatte, wie ich wo hinmusste, stand ich nach zwei Stunden Wartezeit am Gleis und konnte in meinen TGV steigen. Kurze Entspannung, die aber nicht lange anhielt, da unser TGV leichte Verspätung hatte und ich eigentlich nur 10 Minuten Zeit zum Umsteigen in Poitiers hatte. 10 Minuten vor Ankunft holte ich also meinen Koffer, schleppte ihn die Treppen runter und postierte mich vor der Türe.
Zum Glück hatte der Anschlusszug ebenfalls Verspätung und ich konnte direkt einsteigen.
“ Destination  La Rochelle “ tönte es bei jedem Halt aus den Lautsprechern und zauberte mir jedes Mal ein breites Grinsen auf die Lippen. Während wir an Feldern, Friedhöfen, Wäldern und Städten vorbeifuhren. Kurz vor La Rochelle schrieb ich Fred, der mich abholen wollte.

Als sich die Türen des Zuges öffneten, sah ich zuerst Helene, die ich in Bergen kennengelernt hatte, begrüßte sie und fiel danach Fred um den Hals. Zu schön war das Wiedersehen nach 14 Monaten.

Teil 2 La Rochelle

Mit Fabienne und Frédéric

Es war so unglaublich schön, endlich wieder in meiner (neben Lübeck) Lieblingsstadt zu sein, die drei Türme, die alten Häuser, die vielen Boote, dieses blaue Meer, einfach alles und natürlich meine Freunde. So viele Gefühle übermannten mich. Ich schaffe es nicht, alles was ich erlebt habe aufzuschreiben, ich glaube ich würde dem nicht gerecht werden und daher versuche ich mich kurz zu fassen.

 Gastfreundlichkeit:

Alle Leute mit denen ich sprach, waren sehr freundlich, offen im Umgang mit einer Deutschen, einige von Freds Bekannten sprachen auch Deutsch, sodass ich jeden Tag eine Mischung aus Deutsch, Englisch und natürlich Französisch sprach. Durch Fred lernte ich natürlich viele neue Leute kennen, da er mich sehr oft mitnahm. Wir sahen uns fast täglich, ebenso sah ich seine Frau Fabienne sehr oft und lernte seine Familie kennen. Herzliche, offene, lustige Menschen, die sehr sehr gastfreundlich sind. Ich traf alle meine Bekannten und Freunde, was immer ein großes HALLO gab, viele tolle Stunden und Gespräche führte ich mit ihnen und genoss die Zeit. ***** 5/5 Sterne

 Die Stadt:

Ich hatte sie nicht anders in Erinnerung, diese hellen Häuser mitsamt ihren roten Dächern, dieses einmalige Flair, wenn man durch die engen Straßen streicht. Etwas ganz Besonderes, etwas was mich damals schon direkt mein Herz hat an diese Stadt verlieren lassen. Fast jeden Abend verbrachte ich nach Verabredungen noch am Vieux Port (Alter Hafen), fotografierte, lauschte den unglaublich guten Straßenmusikern und genoss einfach diese Atmosphäre. Für mich hatte sie etwas Magisches. Ich bestieg einen der drei Türme, guckte mir zwei der vier städtischen Museen an (ich hatte dank der Stadt La Rochelle FREIEN EINTRITT in den städtischen Museen), kaufte natürlich auch schicke Sachen in Freds Boutique Astuces und besuchte la Coursive das Theater, in dem ich den Film Toni Erdmann auf Deutsch sah. Einmal badete ich auch im Atlantik – was mir dank der scharfen Steine sehr viele Schnitte an den Füßen bescherte- selber schuld. Ich lernte dank Mitgliedern der AFALR das Umland ein wenig kennen, Châtelaillon-Plage und Fouras gefielen mir sehr gut. Mit meinen Mitbewohnern, Künstlern aus Mulhouse (Mühlhausen im Elsass), fuhr ich einen Abend nach Aytré an den Strand.

(Anmerkung: Zur Ferienzeit hielten sich ebenfalls viele Deutsche in La Rochelle auf, sodass ich zu meinem großen Erstaunen zwei BVB Fans sah und einen Foot Locker Store ausmachte, der BVB Trainingsklamotten verkaufte. HA!)

Toll an dieser Stadt ist auch der Tierpark Parc Charruyer, der Park Franck Delmas und das auch weiterhin viel Grün in der Stadt zu finden ist.   ***** 5/5 Sternen

Politik:

Mit VertreterInnen der Stadt La Rochelle und der AFALR

Natürlich hatte ich meinen Auftrag nicht vergessen. Direkt am zweiten Abend, neben meinem ersten Rugby Spiel (Stade Rochelais in den gleichen Farben wie der BVB – schwarz – Spielstand 30:30 – Momentan 2. In den TOP 14), traf ich kurz Jean-François Fountaine, wie öfters während meines Aufenthaltes. Wir unterhielten uns nur kurz, doch er war sehr interessiert an Lübeck und wolle es baldmöglich auch mal besuchen. Ganz begeistert war er ebenfalls von den Gastgeschenken (wie Fred und die Mitglieder der AFALR ebenfalls).

Das Gespräch im „Rathaus“ (um genau zu sein, einem Gebäude neben dem eigentlichen Rathaus. Da das Rathaus 2013 durch einen Kabelbrand ziemlich in Mitleidenschaft gezogen wurde, dauerten die Instandsetzungsarbeiten immer noch an) mit Mitglieder der AFALR und Elaine, Helene und Fred für die Stadt durfte ich zu meiner großen Verwunderung auf Deutsch führen. Nur für Fred und Eliane wurde übersetzt, da die restlichen Anwesenden Deutsch sprachen. Ich hatte meine Ideen extra vorher noch in Kurzform in Englisch auf drei Handouts niedergeschrieben.

Die Ideen kamen gut an, jedoch war da natürlich immer noch das Finanzierungsproblem. Leider wurde mir (in einem vorherigen Gespräch) direkt zu verstehen gegeben, dass Lübeck ja kein Interesse an einer Städtepartnerschaft habe, was ich natürlich nicht auf mir sitzen ließ. Umso Wichtiger war es nun, auch gemeinsam das 30-jährige Städtepartnerschaftsjubiläum zu planen. Dafür war es ja noch früh genug. Es war schon einmal ein Erfolg, einige Akteure gemeinsam an einen Tisch zu bekommen. Nach dem Termin wurde ich noch Mitglied der AFALR, allein schon um die direkte Kommunikation zu verbessern.
Weitere Gespräche im Rathaus folgten, wo man sich von beiden Städten aus gegenseitig besuchen könne, sei es Marathon, Jazz Veranstaltungen etc.

mit Frédéric Chekroun und Jean-Francois Fountaine (Bürgermeister)

Weiterhin lernte ich Hannelore Guerrand von dem Ingenieurskolleg EIGSI kennen, die mit der Fachhochschule Lübeck eine sehr gute Kooperation pflegten. Es gab so viele Punkte, an denen man anknüpfen konnte.

Fred nahm mich zu einigen Terminen und Empfängen mit, sodass ich unter anderem den Schauspieler Omar Sy (Ziemlich Beste Freunde) traf, zusammen mit ihm einigen Ministern und Jean-François Fountaine die Foire Expo eröffnen durfte (ein Erlebnis, auf dem Roten Teppich in vorderster Reihe mit durch die Ausstellung zu laufen) usw. Durch meinen Bekannten aus La Rochelles Partnerstadt Essaouira bekam ich die Möglichkeit in einem Video über die Städtepartnerschaft zu reden, beziehungsweise die Rolle meines Vereines LübeckPartner, da in Essaouira ähnliche Probleme bestanden. Zum ersten Mal hielt ich also ein Interview auf Englisch und dann noch über ein so wichtiges Thema (und mit verschnupfter Nase). Kam super an!

Die Zusammenarbeit und Organisation mit dem Rathaus und die Hilfe, waren TOP ***** 5/5 Sternen
  

Essen und alles Andere:

Absolut zu empfehlen sind folgende Restaurants: „Le Comptoire Italien“, sehr leckeres italienisches Essen, zuvorkommende Kellner und ein sehr netter Chef; „Bar André“ das beste Fischrestaurant in ganz La Rochelle <3 mit tollen Bedienungen und einer super tollen Chefin! (Hier war ich schon beim ersten Besuch und hab mich sogleich mit der Chefin angefreundet). Le Pub Lutèce, super „Burger“, nette Bedienungen.

Wo man als Frau unbedingt hin muss ist natürlich die Boutique „Astuces“ von Fred, total tolle Beratung, super Auswahl und sehr hochwertige Ware.

Das Ecole D’Or, in dem ich untergebracht war, war super, sauber, gemütliches Bett etc. Einfach alles genial!

***** 5/5 Sternen

 

Wie man sieht, war es ein unbeschreibliches Erlebnis! Geniale Leute, super Wetter, tolle Fotos, wunderschöne Erlebnisse und und und. Nun hatte ich Unmengen an Motivation im Gepäck! So ging es also zurück nach Lübeck!

 

Teil 3 weiter geht es!

Da meine Freunde in La Rochelle so viel für mich getan hatten, war und bin ich immer noch fest entschlossen ihnen etwas zurück zu geben! Mittlerweile sind seit meinem La Rochelle Besuch fast fünf Monate vergangen. Ich habe sehr viele Gespräche geführt. Auf einige Termine warte ich immer noch.
LübeckPartner ist nach wie vor Feuer und Flamme etwas zu bewegen.
Was wir (auf Antrag meiner Fraktion) hinbekommen, wird wohl in zwei Wochen zum zweiten Anlauf der Haushaltsberatungen jährlich 10.000 Euro für die Partnerstädte sein. Nun wird Geld da sein, mal sehen, was die Verwaltung damit umsetzen will.
Egal was ist, es muss jetzt geplant werden, wie wir die Jubiläen begehen, denn es hat nicht nur die Städtepartnerschaft mit La Rochelle Jubiläum, sondern alle anderen ebenfalls und das in den nächsten Jahren. Ich lasse mich nicht unterkriegen, lasse mir nicht sagen mit wem ich was machen darf und mit wem nicht und wir werden etwas hinbekommen. Eines sei am Ende des ganz kurzen Berichtes gesagt. Ich mache das alles NICHT FÜR MICH!

Wer das denkt, denkt – tut mir leid- Kleingeistig. Mir ist dies alles sehr wichtig und ich habe das ein oder andere Mal wirklich sehr schwer schlucken müssen und war verwundert über einige Äußerungen.

Ich bedanke mich bei allen Unterstützern dieser Ideen, Gedanken und Taten und hoffe, dass ich weiterhin auf Eure Unterstützung, egal in welcher Form hoffen darf.

 

Dies wird nicht der letzte Beitrag meinerseits zum Thema Städtepartnerschaften sein, dies war erst der Anfang!

Hier geht es zu den Bildern der Stadt

 

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