Die Reise geht weiter – Im Dienste der Hanse der Neuzeit

Der letzte internationale Hansetag in der Königin der Hanse endete mit der Übergabe der Hansefahne an Viljandi. So wanderte der „Staffelstab also weiter nach Estland, wo der 35. internationale Hansetag stattfand. Und ich war wieder mit dabei.
Die Delegation, die den Vormann Bernd Saxe begleiten sollte wurde zusammengestellt und mit Informationen versorgt….

Los ging es am 04.06. um halb 6 am Bahnhof in Lübeck, wo wir gemeinsam mit dem Zug nach Hamburg zum Flughafen fuhren und von dort aus mit einer kleinen PROPELLER Maschine ca IMG_20150605_082407zwei Stunden nach Riga flogen. Von dort aus ging es bei sommerlichen Temperaturen und einer kaputten Klimaanlage mit einem Kleinbus vier Stunden gefühlt immer nur geradeaus bis wir in Viljandi ankamen. Wir Delegierten waren durch die begrenzte Anzahl an Übernachtungsplätzen in einem sechs Kilometer entfernten Studentenwohnheim untergebracht (Der ganze Komplex in VanaVõidu gehörte zu einer Handwerksschule, sehr hübsch gelegen). Ein Glück konnte ich das einigermaßen verständlich Englisch sprechende Busfahrergespann davon überzeugen auf uns zu warten und uns schnell, nachdem wir uns umgezogen hatten, in die Stadt zu unserem Termin zu bringen.

Nach über 12 Stunden waren wir dann also bei der Begrüßung im Zentrum für traditionell Estnische Musik. Lange konnten wir uns nicht dort aufhalten, da wir an unseren Stand mussten um uns zur Eröffnungsparade aufzustellen. Jede Delegation hatte ihren persönlichen Guide, der bei Fragen da war.   Natürlich erklärte ich mich wieder bereit, wie im Vorjahr auch, die Fahne von Lübeck zu nehmen. Die Parade ging durch einen Teil der wirklich süßen Stadt, hin zu dem Sängerplatz, wo sich nacheinander die Delegationen auf Bänken drängten. Kaum hatten wir Platz genommen, kamen auch schon meine Freunde aus La Rochelle, Gisela und IMG_1490Frédéric mit seiner Frau Fabienne. Es gab ein großes Hallo, trotz oder auch gerade da wir uns in der Woche zuvor bei der Eröffnung des Europäischen Hansemuseums in Lübeck gesehen hatten.

Saxe begrüßte alle angereisten Delegationen, es müssen um die 70 gewesen sein, mehrere Music Acts spielten, darunter auch meine estnische Lieblingsband die Curly Strings. Langsam wurde es kälter und windig, sodass wir den Abend, andernorts (zuerst in einem niedlichen Café und einer Bar samt Veranstaltungsräumen die sich Teatrihoov nannte) ausklingen ließen, wo wir noch zwei der vier Curly Strings trafen. Wohlgemerkt, es wurde vielleicht gegen halb 2 leicht dunkel, aber nie gänzlich. Sehr ungewohnt, gerade bei gelben Rollos im Zimmer.

DeIMG_20150605_135028r nächste Tag begann früh, schnell gefrühstückt und mit dem Busshuttle in die Stadt. Um 11 Uhr wurde der Hansemarkt vom Vormann eröffnet, wonach wir ihn und einen Teil des Präsidiums ein wenig begleiteten und uns schon einmal einen Überblick über den breit gestreuten Hansebereich verschaffen konnten. Schön für mich war natürlich der direkt neben uns befindliche Stand von La Rochelle, sodass ich immer mal wieder bei meinen Freunden vorbeischauen konnte.
Dieses Jahr hatten wir eine Musikgruppe dabei, TroubaDuo aus Lübeck, die durch die Straßen zogen und Frohsinn verbreiteten. Jana mit Akkordeon und Gesang und Marcus mit seiner Fivestring Fiddle waren grandios und gaben ihre Lieder auf der großen Hansebühne zum Besten. Die Sonne brannte auf die Köpfe und die freien Arme, was bei mir natürlich einen schönen Sonnenbrand hinterließ. Da wir noch Zeit hatten bis zum traditionellen Lübeck Abend, gingen wir über den Hansemarkt und besuchten noch ein paar andere Hansestädte. Für mich als BVB Mitglied natürlich der Stand der Stadt Dortmund ein Highlight an dem ich natürlich Gleichgesinnte traf und einige Merchandise Sachen abstaubte ;). IMG_1704
In Viljandi ein Taxi zu bekommen war dann doch schwerer als gedacht, wir standen zwar vor einem aber dort war niemand drin. Irgendwann bekamen wir, dank eines Gastes der uns seins überließ, dann doch eins und konnten uns in Ruhe in der Herberge umziehen. Ich hatte mit der Fahrerin die nur radebrechend Englisch konnte ausgemacht, dass sie uns in einer halben Stunde wieder holen sollte, was auch (nachdem ich die Uhrzeit notiert hatte) tadellos klappte. In besseren Klamotten ging es dann zum Theater, in dessen Foyer wir den Lübeck Abend ausrichteten. Nach und nach kamen Delegierte und der Raum füllte sich. TroubaDuo spielten, während wir uns mit anderen unterhielten. Mich zog es nach einer Zeit zu meinen Freunden aus La Rochelle. Wenn man schon Leute kennt 😉 So lange blieben wir nicht und entschlossen und wieder in unsere Anlaufstation des vorherigen Abends zu ziehen. (Das Bier Must Nunn und Blond Munk war großartig)

 

Nach ein paar Stunden Schlaf ging es früh in die Stadt zur Delegiertenversammlung, wo wir unter anderem einen Teil der Planungen für den kommenden Hansetag 2016 in Bergen vorgetragen bekamen. Nach der Versammlung, erkundete ich die Ruine der Ordensburg des deutschen Ordens in Estland. Eine wunderschöne Anlage hinter dem Zentrum für traditionell estnischen MusikIMG_1681IMG_1883 Kopie mit einem grandiosen Blick auf den riesig langgezogenen See. Dort ließ ich ein wenig die Seele baumeln, zündete in der nicht weit entfernten Kapelle des Heiligen Johannis eine Kerze für meinen kürzlich verstorbenen Vater an und zog alleine umher. Gegen 14 Uhr hörten wir unserer Musikgruppe zu die an einem anderen Platz spielten und zogen noch ein wenig durch die Hansegemeinde.
Zwischendurch probierte ich eine Elchsuppe, die wirklich hervorragend schmeckte.
Um 18 Uhr gingen wir ins Gymnasium zum Bergen Empfang, wo ich auch meine La Rocheller wiedertraf. Gemeinsam zogen wir danach zur Hanseparty die für Delegierte und Helfer des Hansetags war. Etwas trübte die Feierlaune und zwar, das ich mich von Frédéric und Co verabschieden musste, da sie am selben Abend noch zurück flogen. Eine Umarmung später waren sie weg und wir hatten es nun mit einer Finnischen Band zu tun, die in Lederhosen auf die Bühne stürmten und erst einmal deutsche Lieder spielten. Rosamunde… Natürlich konnten sie auch andere Lieder. Nach einer Polonäse beendete die Band später ihren Dienst und musste mit „Muss sie denn muss sie denn zum Städtele hinaus“ welches wir spontan anstimmten, schließen. Ein letzter Besuch im Teatrihoov beendete den Abend.

 

Der letzte Tag des Hansetages war angebrochen, kaum Programm, sodass wir uns nach dem Frühstück ein wenig aufteilten. Mich zog es wieder zur Burgruine wo ich eine ganze Zeit in der Sonne sitzend auf den See hinaus starrte und meinen Gedanken freien Lauf lies. Die Zeremonie wurde etwas vorverlegt, sodass wir uns eine ganze Zeit vorher am Stand trafen IMG_20150607_155945und dort blieben. Die Fahne geschultert ging es mit allen in einer Parade wieder zum Sängerplatz, wo die Fahne feierlich an Bergen übergeben wurde und der 35. Internationale Hansetag endete. Mit einem zweiten schmerzenden Sonnenbrand (selber Schuld Anja…) packten wir alles zusammen und zogen uns bis zum gemeinsamen Delegationsabendessen in das kleine Café vom ersten Abend zurück. Nach dem Abendessen fuhren wir in mehreren Taxen zum Sudentenhotel und ließen draußen gemeinsam den Abend ausklingen.

 

Am nächsten Morgen ging es früh wieder los, alles eingepackt und ab zum Flughafen Tallinn. Von dort aus ging es nach in einer weiteren Propellermaschine nach Stockholm und dann endlich mit einer normalen Maschine nach Hamburg.

Mit verknackstem Fuß (vom Aussteigen in Stockholm) ging es mit der Bahn zurück nach Lübeck.

 

Abschließend bleibt zu sagen es atemberaubend. Eine wunderschöne Landschaft, tolle Leute und ein wirklich gelungener Hansetag! Es hat mich unglaublich gefreut meine La Rocheller wiederzusehen, die ich sowohl im Februar 2016 in Lübeck, als auch im Juni in Bergen wiedersehen werde! Es macht Spaß so etwas miterleben zu dürfen. Neue Leute kennenzulernen, etwas neues zu entdecken einfach alles.

 

Fotos vom Hansetag

Fotos von Viljandi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.