Ma belle ville La Rochelle

Mittlerweile sind es fast sechs Monate her, seitdem ich in La Rochelle war und das Erlebte ist immer noch so präsent, als sei es erst gestern gewesen. Wie kam es zu dem Besuch in einer unserer Partnerstädte? Wie die Meisten wohl mitbekommen haben werden, ist dieses Jahr das 70. Jahr nach Ende des zweiten Weltkrieges. Aufgrund dieses Ereignisses war eine Delegation aus Lübeck nach La Rochelle eingeladen, um am 8. Mai an den offiziellen Feierlichkeiten am Ehrenmahl teilzunehmen. Es sollten junge Leute mitkommen, da aus dem Partnerstädten La Rochelles ebenfalls die Delegation aus jungen Leuten und meist dem Bürgermeister bestanden. Schnell stand fest, das u.a. ich unseren Bürgermeister begleiten durfte. Neben mir war noch Tim mit dabei, mein OV und Fraktionskollege.

Für mich war es besonders aufregend, da ich bis auf einmal Italien und einmal Spanien (beides so im Alter um 6-7) nie wirklich im Ausland war (Das eine Mal Disneyland Paris lasse ich mal außen vor ;)). Hinzu kam noch, das ich nur ein Jahr Französisch in der Realschule hatte, aber mein Englisch war ganz gut. Ein paar Tage vorher bekamen wir den Terminplan, was wann wo stattfinden sollte.

Am 07.05 ging es um 4 Uhr morgens los, nach Hamburg zum Flughafen und von dort aus nach Paris. Nach einem kleinen Aufenthalt stellten wir fest, dass es ein Problem rund um Paris mit dem Bahnnetz gab, was uns mit Verspätung in Poitiers ankommen ließ und wir also unsere Empfangsdelegation informieren mussten. Wir bekamen am Bahnsteig in Poitiers direkt von einer freundlichen Schaffnerin ein Ersatzticket für den späteren Zug, der uns dann auch sicher nach La Rochelle brachte. Vor dem schönen Bahnhof warteten dann auch schon unter anderem Frédéric Chekroun, der Verantwortliche für die Städtepartnerschaften, mit weiteren Leuten auf uns. Nachdem wir auf die Autos aufgeteilt wurden ging es zu unserem Hotel, in dem wir nur noch knapp eine halbe Stunde dank der Verspätung hatten.

Schnell zog ich mich um, steckte mein Namensschild an und los ging es mit unserem deutschen Übersetzer und einem Teil der anderen Delegationen, auf in einen wunderschönen Klosterinnenhof, wo der Empfang des Bürgermeisters Jean-François Fountaine stattfand. Schnell machten wir uns mit den jungen Leuten aus AIMG_20150507_175242_editkkon (Israel), Essaouira (Marokko) und Petrosawodsk (Russland) bekannt, aus New Rochelle in den USA war leider keiner anwesend. Nach ein paar Reden und der Begrüßung gab es einen kleinen Umtrunk und wir durften uns ins Gästebuch der Stadt eintragen. Zu Fuß gingen wir im strahlenden Sonnenschein durch die schönen, mit Fähnchenketten überspannten Gassen der Partnerstadt, hin zum „Musée des Beaux-Arts . Vor diesem eröffnete der Bürgermeister die Ausstellung „La Rochelle 1939-49“ über die Zeit des Krieges. Wir mischten uns unter die Gäste und schauten uns die Ausstellung an. Hier ärgerte ich mich erneut, das ich damals in der Schule nicht weiter Französisch genommen hatte. Nachdem ich durch war, kam ich ein wenig mit ein paar La Rochellern ins Gespräch, zu meiner großen Freunde war auch eine Dame dabei, die gebürtig aus Koblenz kam. Natürlich hatte ich mit ihr direkt ein Gesprächsthema. Nun sah unser Terminplan vor, das die Bürgermeister und Co gemeinsam essen gingen und unsere Jugendgruppe ebenfalls. Mit unserem IMG_0810Übersetzer, der ebenfalls gut Deutsch sprach gingen wir also durch die Stadt, vorbei am einer Burg ähnelnden Rathaus. Dieses war leider nicht zugänglich, da es 2013 durch einen Kabelbrand schwer beschädigt wurde und sich nun im Aufbau befand. Trotz allem war allein die Außenerscheinung mit den beiden Toren in der Mauer und dem Turm an der Straße sehr eindrucksvoll. Hier und da bekamen wir unsere eigene Stadtführung auf Deutsch. In dem kleinen Restaurant angekommen, lernten wir nun auch endlich die Jugenddelegation aus Santiago de Figueiró (Portugal) kennen. Allesamt aßen wir ála Card und tauschten uns auf Englisch aus. Eine lustige Runde! Noch lustiger, für die anderen, war der Wirt, der auf einmal den kleinen Raum mit bayrischer Musik beschallte. Da für den nächsten Tag einiges an Programm geplant war, gingen wir zusammen gegen 22 Uhr in Richtung unseres Hotels. Aber nicht ohne am Hafen ein paar Fotos zu machen. Das wunderschöne Panorama mit den bekannten Türmen Tour Saint Nicolas, Toure de la Chaine und ein wenig mehr zur Stadt hin der Toure de la Lanterne. Die kleinen Boote die im Stadthafen lagen und wohl noch Kilometer weiter hinter den Türmen ebenfalls. Gerne wäre ich noch viel länger dort stehen geblieben und hätte diese wunderbaren Eindrücke auf mich wirken lassen.

 

Früh am nächsten Morgen, um genau zu sein gegen halb 4 wurde ich wach, es donnerte. War das wirklich Petrus Ernst? Heute wo doch alles draußen stattfinden sollte. Der Regen klopfte an meine Fenster und ließ mich nicht mehr wirklich einschlafen.

IMG_20150508_123559Nach dem Frühstück trafen wir uns mit unserer Gruppe mit einer Stadtführerin, die ebenfalls Deutsch konnte. Ich war überrascht, so hatte man mir doch gesagt es würde kaum Deutsch und schon gar kein Englisch gesprochen. Doch die Deutsch- Französische Freundschaft war hier noch sehr stark. Einige Partnerschulen in Lübeck und im Umkreis pflegten einen regen Austausch. Ebenso war La Rochelle im zweiten Weltkrieg von deutschen besetzt und es gab ein Abkommen mit dem deutschen Vizeadmiral Schirlitz, der die Bewohner in Ruhe ließ und ein wenig vor den Toren der Stadt den immer noch erhaltenen U Boot Bunker (bekannt aus dem Film Das Boot) betrieb.

Nun ging es also mit meiner kleinen Kamera und Schirmen ausgerüstet durch La Rochelle, erst ein wenig IMG_1049am Hafen, dann durch die Stadt. Schlussendlich endete die super Führung vor derBar Restaurant André, wo wir auf die Bürgermeister trafen und gemeinsam aßen. Mit der – wie ich später rausfand- Managerin des Restaurants unterhielt ich mich ein wenig über Lübeck, da sie mal eine Zeit dort gelebt hatte. Nach dem Essen hatte das Wetter ein Glück wieder aufgeklart und die Sonne kam raus. Sehr gut. Nun ging es wieder ins Hotel, umziehen für die Zeremonie am Ehrenmahl. Schon Wochen vorher hatte ich mir Gedanken gemacht, was ich anziehen würde und hatte mich schlussendlich für ein dunkelblaues Kleid entschieden. Hätte ich gewusst, dass wir später auf einer Wiese stehen würden, hätte ich mir vielleicht noch einmal überlegt mir auch noch hohe Schuhe mitzunehmen. Gemeinsam mit unseren Freunden fuhren wir zusammen zum Ehrenmahl und bekamen unseren Platz hinter einer Absperrung zugeteilt und gesagt, das wir im späteren verlauf gemeinsam einen Kranz niederlegen würden. Nun hieß es warten, die Sonne brannte unanständig heiß auf unsere Köpfe und langsam kamen auch die IMG_20150508_152942Bürgermeister, die gegenüber von uns zu den Seiten des Ehrenmahls Aufstellung bezogen. Mit einer Ehrung von Veteranen, der Marseillaise,weiteren Liedern, mehreren Kranzliederlegungen und einem Militärakt wurde die Zeremonie begangen. Sehr interessant war auch die nachfolgende Militärparade, die in einen großen Park IMG_1091_1überleitete, in dem der Abschluss stattfand. Ein kleines Bühnenprogramm folgte mit Begrüßung der Gäste und einer weiteren Ehrung. Mit schmerzenden Füßen ging es für mich nun zusammen mit der Jugendgruppe ins geniale Aquarium und danach in einen Club in dem wir noch einen Teil des Konzertes von „Les Poupées Gonflées“ mitbekamen. Drei Frauen, die der Menge deutlich einheizten. Nun war auch unser letzter Act vorbei und wir verabschiedeten uns von unseren Freunden und fuhren ins Hotel. Schnell packte ich meine Tasche und legte mich mit beginnendem kratzenden Hals ins Bett.

 

Der Abreisetag war nicht sonderlich schön, kränkelnd schleppte ich mich hinter meinen Begleitern her und versuchte trotz der langen Reise genügend Wasser zu trinken. Den Flug überstand ich auch einigermaßen, trotz allem konnte ich erst einmal eine halbe Stunde nichts wirklich hören. Auf dem Heimweg nach Lübeck hatten wir einen besonderen Gast im Auto und zwar Mario Adorf, der auf der am nächsten Tag stattfindenden Gedenkveranstaltung für den kurz zuvor verstorbenen Günter Grass lesen sollte. Ein sehr netter Mensch, von dem ich auch noch ein Autogramm bekam. Zu Hause ging es für mich für die nächsten Tage erst einmal ins Bett.

Abschließend bleibt zu sagen, dass es eine sehr kurze Zeit in einer viel zu schönen Stadt war. Die Erinnerungen sind immer noch unglaublich lebendig und der Kontakt zu den Leuten ist immer noch da. Mittlerweile habe ich Frédéric schon zwei mal auf Veranstaltungen wieder getroffen und ich hoffe, das mein nächster – diesmal privater Besuch- in La Rochelle so schnell wie möglich in Sicht kommt. Wunderbare Menschen, eine wunderbare Stadt und schöne Erinnerungen! Danke den Leuten die mir dies ermöglicht haben!

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Hier geht es zu den Aquarium Fotos

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